Marion Eichmann Profil

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Interview mit Marion Eichmann vom 31.07.2013

C.T.
Sie sind schon als Kind weit gereist. Hatte das für Sie künstlerische Folgen?
M.E.
Reisen, Schauen, Malen gehören für mich zusammen. Gemalt habe ich solange ich denken kann. Bis heute hat das wohl den Einfluss, dass ich in meiner gewohnten Umgebung intensiv schaue, mich aber zugleich das Fremde anzieht.
Mit zwölf Jahren bin ich mit meinen Eltern und meinem Bruder in einem Unimog ein Jahr lang von Europa nach Asien gereist. Als ich Fünfzehn war ging's durch ganz Afrika. Das war spannend und manchmal auch gefährlich. Man hat die Augen offen und sieht Dinge, die man vielleicht nur einmal im Leben sieht, z.B. 1986 in Teheran. Damals herrschte Krieg zwischen dem Iran und Irak. Ich habe früh gelernt, welchen Wert Grundnahrungsmittel haben, wie wichtig der Zugang zu frischem Wasser ist und was Glück bedeuten kann.
Wenn ich zurückblicke, wird mir klar, dass man zum Reisen Zeit und Beharrlichkeit braucht. Das wünsche ich mir auch für die Betrachter, die meine Bilder anschauen.
Und ich weiß, dass mir Stillstand nicht liegt. Eigentlich reise ich immer. Zumindest in Gedanken und in der Erinnerung. Als Künstlerin bin ich ständig unterwegs, um geistige Räume zu erkunden.
C.T.
Was ist heute die Reiseerfahrung mit der größten Nachwirkung für Sie?
M.E.
In der Ferne lässt sich besser verstehen, wer man eigentlich ist. Dabei beziehe ich mich nicht auf einen bestimmten Ort. Ich bin auch deswegen künstlerisch tätig, weil dieses Reisen und Suchen anhält – als eine Idee zum Leben.
C.T.
Das Unterwegssein, das Nomadische des Künstlers hat ja aber auch noch einen anderen, außerliterarischen Kontext: die Globalisierung. Wie reagieren Sie darauf?
M.E.
Ich finde interessant, dass sich gerade wegen der Globalisierung mehr Menschen mit den Regionen identifizieren, in denen sie sich zu Hause fühlen.
Als Künstlerin bin ich aber eher in einer ästhetischen Ausdrucksform zu Hause als in einem Land. Insofern existieren Grenzen für mich sowieso nicht.
C.T.
Sie sind 1993 nach Berlin gekommen und leben seither in dieser Stadt.
Wie empfinden Sie die sich ständig im Bau befindliche und aus allen Nähten brechende Metropole?
M.E.
Berlin ist für mich nach wie vor ein großes Abenteuer, wobei immer der Blickpunkt, die Frage, wie man auf etwas schaut, entscheidender ist als der Standort. Ich bin von einem Bezirk zum anderen gezogen, habe in West und Ost, in Charlottenburg, Tempelhof, Wedding, Weißensee, Mitte, in attraktiven und weniger attraktiven Gegenden gewohnt. Ich weiß noch, was Ofenheizung und Außentoilette bedeuten. Insofern habe ich mir die Stadt ganz lebensnah und alltäglich erschlossen. Außerdem laufe ich viel oder fahre mit dem Rad.
C.T.
Die aktuellen Diskurse über Berlin als Touristenhochburg, versäumte Entscheidungen im Wohnungsbau, Gentrifizierung betreffen jeden, der in der Stadt lebt. Berlin war eine bettelarme Stadt vor dem Mauerfall und rappelt sich gerade auf. Aber nun ist in einigen Bezirken Spekulation die neue Realität. Die Immobilienpreise steigen. Möglicherweise brechen die fetten Jahre an?
M.E.
Ich wohne derzeit in Kreuzberg und erlebe hautnah, wie sich der Wrangelkiez verändert. Er ist ein Ort im Umbruch. Und es ist erstaunlich, wie dabei die bekannte Lebensqualität modifiziert wird. Alles wird schnelllebiger. Touristenbusse kommen. Plötzlich gibt es überall Caffè Latte, der auf dem Bürgersteig serviert wird. Das ist der Übergang von Kreuzberg zum hippen „Kreuzkölln".
C.T.
Was heißt für Sie Aneignung von Stadt?
M.E.
Das eigene Erleben ist für mich von großer Wichtigkeit, der Kontakt mit möglichst vielen Leuten unterschiedlichster Herkunft. Für einen Künstler sollte das Basisarbeit sein. Am Anfang ist jede Stadt für mich als Fremde eine Terra incognita - Istanbul, Tokyo, New York. Über den Kontakt zu ihren Bewohnern tauche ich ein ins Unbekannte.
Mit 19 Jahren, gleich nach der Schule, hab ich in der Oberhemdenbekleidung auf Akkord gearbeitet. Konkret bedeutete das: finanzielles Niedrigniveau und, dass ich die einzige Deutsche in der Belegschaft war. Später stand ich auch mal in einer Pommes-Bude in Neukölln, war bei „Marché" am Ku'damm für vier Jahre als Kellnerin angestellt und habe über's Telefon Dampfstaubsauger angeboten. Da kriegt man Stressresistenz beigebracht und lernt eine Menge über Menschen. Ich verkaufte danach sogar Zeitungsabos. Auch das hat mich weitergebracht als Künstlerin. Heute vermag ich andere für meine Ideen zu gewinnen. So lernt man eine Stadt über die Arbeit und den Sozialraum kennen. Berlin verschafft mir Energie – vielleicht gerade in seinen Umbruchphasen.
C.T.
Sie zeichnen oft auf der Straße und es gibt viele Dinge, die sammeln Sie einfach im Vorbeigehen auf – weggeworfene Kleinteile, sogar Möbelstücke.
M.E.
Gerade in diesen Fundstücken steckt für mich das Städtische. Ich bin fasziniert von dem, was vor meinen Füßen liegt. Der Mikro-Abfall sieht nicht nur interessant aus, er sagt viel darüber aus, womit wir uns umgeben und wie wir miteinander leben. Ich lese Schrauben, Deckel, Perlen, Knöpfe, LEGO-Teile und Figuren auf, um sie in meinen Installationen zu neuem Leben zu erwecken. Diese Materialien sind Keramik, Metall, Plastik, Glas und Holz. Es ist die Füllschicht unserer urbanen Existenz zwischen Asphalt, Beton und Grasflächen.
Alles, was ich finde und in meine Werke integriere, trägt seine z.T. bizarren Formen in mein Werk und dazu die Erinnerung an das, was diese Dinge in ihrem ursprünglichen Funktionszusammenhang mal waren.
Ich durchforste darüber hinaus Flohmärkte und Schrottplätze. Das hat durchaus etwas mit Geistesgegenwart und Zeitreflektion zu tun. Es kommt darauf an, auch mal eine Pause zu machen, beiseite zu treten und den Dingen einen zweiten oder dritten Blick zu gönnen und vielleicht sogar ein Weiterleben. In diesem Zögern steckt mein Respekt vor dem Vergangenen und ich bin glücklich, wenn ich wieder einen dieser Splitter meiner Beobachtung gefunden habe.

 

Ein Text über Marion Eichmann von Christoph Tannert

Erkundungsgänge im Verdichteten

Marion Eichmanns Werk ist ein Panorama der beschleunigten und vernetzten Dingwelt. Am Beispiel einiger großer Millionenstädte orientiert hat die 1974 in Essen geborene Künstlerin ihr eigenes Pluriversum geschaffen, in dem sie sich zwischen verschiedenen Wahrnehmungs- und Realitätsebenen hin- und herbewegt.

Bereits ihre 2002 vorgestellte Diplomarbeit „16.324.800 Maschen" war ein Paukenschlag. Ihr fulminanter Abschluss als Diplom-Designerin an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee bescherte ihr internationale Aufmerksamkeit. Der Schlüssel für das Verständnis aller weiteren Projekte der Künstlerin ist hier zu verorten. Er liegt in der Obsession, mit der Marion Eichmann z.B. einen kompletten Raum mit Wolle in ein ausufernd schwarz-beiges Wellen-Muster einstrickt, angefangen bei den Wänden, ohne haltzumachen vor Tisch, Sessel und Models. Dinge, ja ganze Räume zu verfremden, ohne sie zu verletzen und die Garnfarben farbpalettenspezifisch zu sehen, darin fand sie ihre Herausforderung. In der Rauminstallation „Ping Pong" (2003) verstärkte sich der Grad der Komplexität und spielerischen Verrücktheit. Offensiv kam noch mehr Farbe ins Spiel, die Maschen überwucherten erst leichtherzig ein Fahrrad, dann einen Mini Cooper.

Es ist diese Art des Mitreißens, das Stromartige, das Polyphone, die sich miteinander verwebenden Stimmen, das Uferlose eines Mitteilungsbedürfnisses am Rande des Nervenzusammenbruchs, das ihre Kunst kennzeichnet. Im Ausgerichtetsein auf die Gegenwart wächst eine eigene Ästhetik, eine andere Kenntlichkeit, in der das Alltagsgegenständliche in Fläche und Raum übersetzt wird und sich neue zeichnerische, malerische, objekthafte und installative Kraftzentren ausbreiten.
Aufgrund ihrer Lust auf Stadt und den daraus resultierenden Arbeitsaufenthalten in Tokyo (2004), New York (2005) und Istanbul (2009) taucht Marion Eichmann ein in die Gegenwart des Städtewachstums und entwirft dazu parallelspurig ihre bildkünstlerischen Szenarien.

Unter der Projektbezeichnung „Tokio Mono" (2004) firmieren Dutzende Zeichnungen und in ihrer Bindung an den japanischen Hintergrund aufschlussreiche Collagen sowie eine Ansammlung von fünfzig Objekten. Für diese Objekte dienten landestypische Badehocker als Kernmaterial, umhüllt von sagenhaftem Detailreichtum und experimenteller Leichtigkeit, sodass nach Fertigstellung eine Batterie von fünfzig Kleinstereignissen zu besichtigen war, zum Teil mit Licht und Klang animiert, die Kunde ablegte von der Begeisterung und dem Zartsinn der Künstlerin gegenüber der japanischen Kultur und Geschichte.

Die biedere Kunstgebärde tötet einem zunehmend den Sehsinn. Große Kunst kann es in Zeiten der Dominanz der Retrogarde nicht mehr geben. In dieser Trostlosigkeit wartet Marion Eichmann mit einer Universalherrschaft des Papierschnipsels und einem Energiepotential ganz eigener Art auf. Das stimmt einen heiter.

Was sie nach ihren Erkundungsgängen im Großstadtdschungel an Erkenntnissen ans Tageslicht befördert, ist so verdichtet wie die Strukturen, von denen Sie uns Bilder zur Anschauung übermittelt. Um sich ihnen zu nähern, hat sie sich verschiedene Methoden ausgedacht: Da ist die Eintauch-Methode, eine heftige, expressive Einstiegstufe, um sich dem jeweiligen Geist des Ortes anzuverwandeln – emotional, mit Haut und Haar. Die andere Methode weckt eher die Beobachterin in ihr, die mit unbestechlichem Blick Detail für Detail abtastet, um Werke zu erzeugen, die wie präzise Zustandsprotokolle aussehen.

Beides gehört zusammen in ihrem Werk – das Heftige und das Kühle, Emotionales und Rationales. Aber beiden Methoden ist ein Hang zum Überbordenden eigen, der sich bereits ganz am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn bemerkbar machte.

Marion Eichmann verwandelt sich die Welt an, indem sie einfach in die Gegend schaut im Dienste der Phantasie. Ein Gestaltungsimpuls, der ihrer Lebensauffassung entspringt. Indem sie zeichnet, macht sie sich ihr Anwesendsein und die vorwiegend visuell erfassten Inhalte bewusst. Um überhaupt mit dem Zeichnen beginnen zu können, sucht Marion Eichmann das direkte Erlebnis vor Ort – sie sieht, tastet, hört, riecht und schmeckt in das Weltgetümmel hinein. Egal, was sie darstellt, alles folgt aus direkter Anschauung und intensivem Erleben. Dabei wird nichts erfunden. Das Sichtbare rangiert vor der Imagination. Wahrheit verbirgt sich in diesem Fall in der Fülle, in einer die Fläche zur Bezeichnung nutzenden Massierung von Linien. Ohne Vorurteile bewegt Eichmann sich in einem Anschauungsraum, der erst mit der Zeit zum Denkraum wird. Auch wenn aus einem nachträglich etablierten Debattenraum konsumkritische Ansätze in die Bewertung ihrer Bilder gelangen, ist Eichmanns individueller Ansatz nicht vorgefasst und schon gar nicht eindimensional politisiert. Sie stellt klar: „Ich habe etwas gegen falsche Alternativen." (1) Während der Arbeit am Zeichenblatt und in einem bestimmten Sozialraum geht es ihr lediglich „um die Anwendung und Überprüfung der eigenen Zeichenmethode" (2), wie sie betont, um die zeitaufwändige, jahrelang erprobte und trainierte Interaktion von Auge und Hand. Gerade diese suggestive Art der Darstellung ist es, die den Betrachter packt und zum Hinschauen, zum Wandern in den Details anregt.

„Zeichnen ist wie Entziffern" (3), sagt Marion Eichmann. Obwohl sie während des Zeichnens meint vieles zu erfahren, was ihr bisher nicht bewusst war, hüten die städtischen Wirklichkeiten doch ihr Geheimnis und fordert in ihrer Rätselhaftigkeit die Künstlerin um so mehr heraus. Die ruhige Strichführung kontrastiert den ruhelosen, ja hysterienahen Ton der Mega-Cities.

Freiluftspektakeltauglich hat sich Marion Eichmann an der Kreuzung Broadway und Seventh Avenue in den 11. Stock eines New Yorker Hochhauses begeben, um für die Collage / Zeichnung „Times Square" mal einen Vogelblick zu haben. Dem Himmel nah, schaute sie wie gebannt auf die Lebenswirklichkeit zwischen den Häuserschluchten. Auf dieser Ebene, umzingelt von Backstein und Plastikmüll konnte sie auf die Verwahrlosung auf den Dächern schauen und auf das Gewusel auf der Straße, wo der Umsatz in den Shopping-Meilen boomt. Laut liegt neben leise, „Farbe neben Farbe - unzählige Muster und Formen, die sich bilden, Netze von Linien, Verführungen ins Davor und Dahinter, die sich unmittelbar erschließen während des Hinsehens." (4) Es zeugt von der künstlerischen Integrität der Künstlerin, dass Eichmann keine kulissenmalerische Show hinklotzt, sondern eine radikal ihrem Stil einverleibte Interpretation anbietet. Ein Motivationsposter wirbt für Alternativen bei Stressgefühlen. Die Antwort liegt außerhalb der bedrückenden Realität. Dieserart wird die Widersprüchlichkeit des hektischen, schnelllebigen New York charakterisiert. Jene Situation hat die Künstlerin dermaßen beeindruckt, dass sie Jahre später eine zweite Version im Großformat von 168 x 137 cm angefertigt hat. Dargestellt ist der Moment des Eintauchens in eine fremde Welt. Oft werden Marion Eichmanns Zeichnungen nach der Eindruckserinnerung noch ein weiteres Mal fortgesetzt und es bahnen sich aus den abgebildeten Motiven Vorlagen für den Bau von Objekten aus verschiedenen Materialien an, häufig ganz aus Papier gebaut.

Manchmal bis zu zehn Stunden hat sie in New York auf der Straße gesessen und gezeichnet.
Wie ein Möbius-Band von Elementarteilchen, gespickt mit den Ornamenten des Begehrens, drängt die städtische Staffage der Gegenwartsgesellschaft in den Vordergrund. Die Künstlerin ist nicht zimperlich, ihre Botanisiertrommel mit zufällig Aufgesammelten, Figuren und Begebenheiten ordentlich vollzustopfen. Selbst wenn nur die Hälfte der festgehaltenen Gegenstände sich tatsächlich im Stadtbild feststellen lassen würde, hätte Eichmann ein ausgeklügelten urbanes Panoptikum installiert.
Fotografische Motive über das unaufhaltsame Wachstum großer Städte türmen sich. Aber in der Kunst der mittleren Generation in Deutschland hat selten mal jemand so komprimiert und zugleich unverkrampft wie Marion Eichmann die Verstädterung der Welt mittels Zeichengerät, Cutter und Klebstoff auf den Punkt gebracht.

Ihre ersten Stadteinblicke fixiert Marion Eichmann fast immer mit Bleistift. Der Kunsthistoriker Stefan Geiger spricht von „Real-Struktur-Skizzen". Anschließend werden die Linien mit dem Fineliner hervorgehoben und endgültig festgelegt. Jeder Strich muss sitzen und will auch gegen die späteren Farbakzentuierungen gedacht werden. Schraffuren gibt es keine.

Farbe wird in Marion Eichmanns Werken nicht mit dem Pinsel aufgetragen. Sie erhält Präsenz durch hochwertiges Canson-Fine-Art-Papier, welches ausgeschnitten und innerhalb des jeweiligen Strichsegments aufgeklebt wird, oft in mehreren Lagen, was die Farbe moduliert und ein Relief entstehen lässt. Und zwar derart, dass der zeichnerische Schwung ungebremst fließen kann. Aus diesem Grund können die Bilder zwar nicht auf Tiefe angelegt sein, leben aber stattdessen aus Betonungen, die durch Detailkolorierung erzeugt werden.

Mittels der Farbe Weiß (die z.T. in zehn Schichten aufgetragen wird) neutralisiert die Künstlerin ihre „Eichmann-Welt". Vom Grauschleier befreit erscheinen die Konstellationen nicht weniger kompliziert, aber aufgeräumter.
Von den Zeichnungen ausgehend entwickeln sich in zukünftigen Stadien Objektkästen und Raum füllende Installationen. An Materialien kommen zum Einsatz: Papier, Pappe, aber auch Fundstücke. Man könnte sagen, Marion Eichmann verräumlicht ihre Linien indem sie das Bildgeschehen von der Fläche in den Raum kippt. Der Wunsch der Künstlerin, die Dreidimensionalität tastbar zu steigern, ihr unübersehbar sinnliche Gestalt zu verleihen, erfüllt sich in der zusätzlichen Verwendung von KAPPA Leichtstoffplatten, die seit 2011 Anwendung finden.

Zweifellos korrelliert damit eine Vermehrung des Materialgehalts der Collagen, ihrer skulpturalen Dichte, die dafür sorgt, dass z.B. die Zeichnungen / Collagen der „Istanbul"- und „Bosporus"-Serie (2013) noch stärker Sprache und Weltneuentwurf an sich sind.

Wird in „Living room today" (2006-2008), „Buffet Dreaming" (2008-2009), „Shopping" (2007-2009), „Vitamintisch" (2012) vielleicht unter der Hand modernes Produkt-Placement betrieben oder gar revolutioniert? Werden bestehende Marken geschärft oder neue Marken erfunden? Nein, die Künstlerin hält tagebuchartig fest, was sie sieht und empfindet: das Vergnügen, sich der täglichen Verführung auszusetzen.

Zuweilen gibt es auch mal eine giftige Lebensmittelkreation in einem großen Kühlschrank („Fridge", 2009-2010), die die Künstlerin in ihre anscheinend grenzenlos erweiterbaren Produktpaletten geschmuggelt hat. Aber man muss schon genau hinsehen. Wolkenlosigkeit überwiegt. Eine Zigarettenschachtel trägt den jubilierenden Schriftzug: Was für ein schöner Tag.
Christoph Tannert

Anmerkungen
(1) bis (4) Marion Eichmann im Gespräch mit dem Autor, Berlin, 11.07.2013