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„Ich weiß, dass mir Stillstand nicht liegt“1

Zu den Zeichnungen und Papierschnitten von Marion Eichmann

von Birgit Möckel

Mit überbordender Präzision und filigraner Dynamik ziehen sich Linien und Schnitte durch das Papier, führen in die Tiefe, greifen in den Raum, doppeln oder überlagern sich, umreißen Figuren und Gegenstände, Innen- und Außenräume und ordnen leise die Welt. Kaum eingetreten in das Atelier der Künstlerin ist man umgeben vom Spiegel dessen, was sich als graphischer Zugriff und farbige Spur auf den groß- und kleinformatigen Papierbögen abbildet. Nichts anderes als die sichtbare Wirklichkeit ist die Bühne für die graphischen Erkundungsreisen, mit denen Marion Eichmann aus der Überfülle des Gesehenen schöpft, alles detailreich auf ein lineares Gerüst reduziert und in so mitreißenden wie spielerisch heiteren raumgreifenden Tableaus vor unseren Augen ausbreitet.

Mit jedem neuen Thema, sei es die intensive Erkundung einer Metropole, wie Tokyo, New York, Istanbul oder die akribische Aneignung einer Berliner Atelierwohnung, immer wieder sucht die Künstlerin den direkten Dialog mit dem Gegenüber, um es in detailgenauer Reduktion mit Stift und Schere dem Papier einzuverleiben. Alles ist so gesehen, alles entspringt Stück um Stück der Realität und ist dennoch weit mehr als ein Abbild. Ob Zeichnung oder dreidimensionales Objekt: Jedes Ding wird auf seine graphische Struktur untersucht und konsequent mit den Prinzipien des Denkens in der Linie in das Bild überführt. Marion Eichmann ist immer Zeichnerin, zeichnet mit Lust am spielerischen Finden ihr ganzes Leben lang und lotet diese so direkte wie universale Disziplin mit steter Neugier und nicht zuletzt immenser Ausdauer immer neu aus.

Mit scheinbar leichter Hand entstehen neben den auf strengem Lineament aufgebauten Zeichnungen und Papierschnitten aktuell Stillleben und Innenräume, die äußerst sparsam oder mit farbiger Wucht Ausschnitte aus der direkten Umgebung der Künstlerin ins Bild setzen. Ateliersituationen, Bücherregale, Arbeitsutensilien: Beiläufig erzählen die detailreichen Ausschnitte eigene Geschichten und sind als Thema doch so geläufig, dass sie wiederum dem künstlerischen Medium größtmögliche Aufmerksamkeit sichern und ganz subtil den Blick auf einen höchst individuellen, vielschichtigen und zeitintensiven Werkprozess lenken, der die Linie weiter und weiter in den Raum führt, bis auch ein räumliches Objekt ein Eigenleben finden kann. Als Ergebnis mehrerer überlagernder Arbeitsschritte steht am Ende eines jeden Werkprozesses eine Zeichnung, die sich partiell aus der Fläche löst, mit Schnitten, Fundstücken, Überschneidungen, perspektivischen Doppelungen oder gestalteten modellgleichen Objekten in den Raum und in die Wirklichkeit findet oder auch unverhofft in die Abstraktion führen kann.

Was aus der Ferne als bloßer Farbwert erscheint, kann sich in der Nahsicht als reales Fundstück entpuppen – aus dem reichen Arsenal der Künstlerin, das diese seit Jahren auf ihren Wegen durch die Stadt sammelt. Punktuell in die Komposition gesetzt, bilden diese zurückhaltenden Farbwerte ein eigenes Koordinatensystem in der Bildtopographie, das die lineare Struktur verfremdet und mit dem Eigenwert von Farbe und Materialität kontrastiert, um alles zu einem so poetischen wie alltäglichen Kosmos zu verweben. Parallel zu diesen Kompositionen mit zart farbigen Setzungen, entstehen aktuell leuchtend farbige Collagen von Stillleben und Interieurs, in denen die Künstlerin mit intensiven Farbkontrasten und neuen dunklen Flächen ihr „Papier-Kolorit“ erweitert, sich weiter durch die Fläche in den Raum schneidet, um auch hier das Spiel von Linie, Grenze und Grenzüberschreitung, Neben- und Miteinander neu auszutarieren.

„Ich weiß, dass mir Stillstand nicht liegt“: Nicht zufällig zieht es Marion Eichmann immer wieder in die quirligsten Metropolen. Während eines Aufenthaltes in Istanbul entstanden energetisch aufgeladene Straßenszenen, die das Pulsieren der Stadt vergegenwärtigen. In aktuellen Arbeiten werden diese Impulse aufgenommen und die räumliche Dimension der Zeichnung neu befragt. Mit ihren perspektivisch komplexen Überlagerungen linearer Strukturen zeigt sich diese neue Werkserie als vibrierender Spiegel städtischen Lebens und luftiges Echo intensiver Eindrücke.

Rückzugsort ist und bleibt das Atelier. Zeigt sich nicht in jeder Ecke, an jeder Wand, in jedem Regal ein Stück vorgefundene Welt, das ganz unmittelbar in immer neuen Ausschnitten fokussiert und mit Stift und Schere in eine eigene Bildsprache übersetzt werden will? Kein Detail ist zu alltäglich, um nicht täglich neu gesehen zu werden. In den quicklebendigen Arbeiten von Marion Eichmann erwächst aus jedem Ding ganz selbstverständlich ein seismographisches Zeichen für die intensive Wahrnehmung der Welt und lässt sie in feinen Klängen mit lauten und leisen Linien und Farben erleben.

 

Christoph Tannert im Interview mit Marion Eichmann vom 31.07.2013

C.T.
Sie sind schon als Kind weit gereist. Hatte das für Sie künstlerische Folgen?
M.E.
Reisen, Schauen, Malen gehören für mich zusammen. Gemalt habe ich solange ich denken kann. Bis heute hat das wohl den Einfluss, dass ich in meiner gewohnten Umgebung intensiv schaue, mich aber zugleich das Fremde anzieht.
Mit zwölf Jahren bin ich mit meinen Eltern und meinem Bruder in einem Unimog ein Jahr lang von Europa nach Asien gereist. Als ich Fünfzehn war ging's durch ganz Afrika. Das war spannend und manchmal auch gefährlich. Man hat die Augen offen und sieht Dinge, die man vielleicht nur einmal im Leben sieht, z.B. 1986 in Teheran. Damals herrschte Krieg zwischen dem Iran und Irak. Ich habe früh gelernt, welchen Wert Grundnahrungsmittel haben, wie wichtig der Zugang zu frischem Wasser ist und was Glück bedeuten kann.
Wenn ich zurückblicke, wird mir klar, dass man zum Reisen Zeit und Beharrlichkeit braucht. Das wünsche ich mir auch für die Betrachter, die meine Bilder anschauen.
Und ich weiß, dass mir Stillstand nicht liegt. Eigentlich reise ich immer. Zumindest in Gedanken und in der Erinnerung. Als Künstlerin bin ich ständig unterwegs, um geistige Räume zu erkunden.
C.T.
Was ist heute die Reiseerfahrung mit der größten Nachwirkung für Sie?
M.E.
In der Ferne lässt sich besser verstehen, wer man eigentlich ist. Dabei beziehe ich mich nicht auf einen bestimmten Ort. Ich bin auch deswegen künstlerisch tätig, weil dieses Reisen und Suchen anhält – als eine Idee zum Leben.
C.T.
Das Unterwegssein, das Nomadische des Künstlers hat ja aber auch noch einen anderen, außerliterarischen Kontext: die Globalisierung. Wie reagieren Sie darauf?
M.E.
Ich finde interessant, dass sich gerade wegen der Globalisierung mehr Menschen mit den Regionen identifizieren, in denen sie sich zu Hause fühlen.
Als Künstlerin bin ich aber eher in einer ästhetischen Ausdrucksform zu Hause als in einem Land. Insofern existieren Grenzen für mich sowieso nicht.
C.T.
Sie sind 1993 nach Berlin gekommen und leben seither in dieser Stadt.
Wie empfinden Sie die sich ständig im Bau befindliche und aus allen Nähten brechende Metropole?
M.E.
Berlin ist für mich nach wie vor ein großes Abenteuer, wobei immer der Blickpunkt, die Frage, wie man auf etwas schaut, entscheidender ist als der Standort. Ich bin von einem Bezirk zum anderen gezogen, habe in West und Ost, in Charlottenburg, Tempelhof, Wedding, Weißensee, Mitte, in attraktiven und weniger attraktiven Gegenden gewohnt. Ich weiß noch, was Ofenheizung und Außentoilette bedeuten. Insofern habe ich mir die Stadt ganz lebensnah und alltäglich erschlossen. Außerdem laufe ich viel oder fahre mit dem Rad.
C.T.
Die aktuellen Diskurse über Berlin als Touristenhochburg, versäumte Entscheidungen im Wohnungsbau, Gentrifizierung betreffen jeden, der in der Stadt lebt. Berlin war eine bettelarme Stadt vor dem Mauerfall und rappelt sich gerade auf. Aber nun ist in einigen Bezirken Spekulation die neue Realität. Die Immobilienpreise steigen. Möglicherweise brechen die fetten Jahre an?
M.E.
Ich wohne derzeit in Kreuzberg und erlebe hautnah, wie sich der Wrangelkiez verändert. Er ist ein Ort im Umbruch. Und es ist erstaunlich, wie dabei die bekannte Lebensqualität modifiziert wird. Alles wird schnelllebiger. Touristenbusse kommen. Plötzlich gibt es überall Caffè Latte, der auf dem Bürgersteig serviert wird. Das ist der Übergang von Kreuzberg zum hippen „Kreuzkölln".
C.T.
Was heißt für Sie Aneignung von Stadt?
M.E.
Das eigene Erleben ist für mich von großer Wichtigkeit, der Kontakt mit möglichst vielen Leuten unterschiedlichster Herkunft. Für einen Künstler sollte das Basisarbeit sein. Am Anfang ist jede Stadt für mich als Fremde eine Terra incognita - Istanbul, Tokyo, New York. Über den Kontakt zu ihren Bewohnern tauche ich ein ins Unbekannte.
Mit 19 Jahren, gleich nach der Schule, hab ich in der Oberhemdenbekleidung auf Akkord gearbeitet. Konkret bedeutete das: finanzielles Niedrigniveau und, dass ich die einzige Deutsche in der Belegschaft war. Später stand ich auch mal in einer Pommes-Bude in Neukölln, war bei „Marché" am Ku'damm für vier Jahre als Kellnerin angestellt und habe über's Telefon Dampfstaubsauger angeboten. Da kriegt man Stressresistenz beigebracht und lernt eine Menge über Menschen. Ich verkaufte danach sogar Zeitungsabos. Auch das hat mich weitergebracht als Künstlerin. Heute vermag ich andere für meine Ideen zu gewinnen. So lernt man eine Stadt über die Arbeit und den Sozialraum kennen. Berlin verschafft mir Energie – vielleicht gerade in seinen Umbruchphasen.
C.T.
Sie zeichnen oft auf der Straße und es gibt viele Dinge, die sammeln Sie einfach im Vorbeigehen auf – weggeworfene Kleinteile, sogar Möbelstücke.
M.E.
Gerade in diesen Fundstücken steckt für mich das Städtische. Ich bin fasziniert von dem, was vor meinen Füßen liegt. Der Mikro-Abfall sieht nicht nur interessant aus, er sagt viel darüber aus, womit wir uns umgeben und wie wir miteinander leben. Ich lese Schrauben, Deckel, Perlen, Knöpfe, LEGO-Teile und Figuren auf, um sie in meinen Installationen zu neuem Leben zu erwecken. Diese Materialien sind Keramik, Metall, Plastik, Glas und Holz. Es ist die Füllschicht unserer urbanen Existenz zwischen Asphalt, Beton und Grasflächen.
Alles, was ich finde und in meine Werke integriere, trägt seine z.T. bizarren Formen in mein Werk und dazu die Erinnerung an das, was diese Dinge in ihrem ursprünglichen Funktionszusammenhang mal waren.
Ich durchforste darüber hinaus Flohmärkte und Schrottplätze. Das hat durchaus etwas mit Geistesgegenwart und Zeitreflektion zu tun. Es kommt darauf an, auch mal eine Pause zu machen, beiseite zu treten und den Dingen einen zweiten oder dritten Blick zu gönnen und vielleicht sogar ein Weiterleben. In diesem Zögern steckt mein Respekt vor dem Vergangenen und ich bin glücklich, wenn ich wieder einen dieser Splitter meiner Beobachtung gefunden habe.

 

“In fact, I am always travelling.”

Marion Eichmann in conversation with Christoph Tannert

CT : Even as a child you travelled extensively. Did that affect your art at all?
ME: For me, travelling, looking and painting all belong together. I have been painting for as long as I can remember. And the influence it has had, and continues to have, is that I observe my familiar surroundings very precisely, but at the same time I find I am attracted to faraway places. When I was twelve I spent a year travelling from Europe to Asia with my parents and my brother in a Unimog. When I was fifteen we travelled right across Africa. It was exciting, and sometimes dangerous too. You keep your eyes open and see things that you will perhaps only see once in your lifetime. Like in Teheran in 1986, for example. At that time Iran and Iraq were at war. I learned at an early age how important basic foods are; how important it is to have access to fresh water; and what happiness means. When I look back, I realise that you need time and staying power when you are travelling. And I hope that the viewers who look at my pictures possess these same qualities too. I know that I don’t like standing still. In fact, I am always travelling. At least in my thoughts and in my memories. As an artist I am always on the move in order to explore intellectual spaces.

CT : Which of your travel experiences would you say today made the greatest impression on you?
ME: When you are far from home it is easier to understand who you really are. I am not referring to any specific place here. One of the reasons why I am an artist is that this travelling and searching continues – as an idea that governs my life.

CT : Being on the move – the artist as nomad – has another, nonliterary context: globalisation. How do you react to that?
ME: I find it interesting that it is because of globalisation in particular that people increasingly identify with the regions in which they feel at home. As an artist, however, I feel more at home in an aesthetic form of expression than in a specific country. So, in that respect, boundaries don’t exist for me.

CT : You came to Berlin in 1993 and have lived here ever since. How do you see this city in which new buildings continue to shoot up everywhere, but which is still nonetheless bursting at the seams?
ME: Berlin, for me, is just one big adventure, whereby it is always the point of view, the question of how you look at something, that is more important than where you are actually standing. I have moved from one district to another; I have lived in the West and in the East, in Charlottenburg, Tempelhof, Wedding, Weissensee and Mitte, in attractive and not so attractive areas. I still know what it’s like to live with stove heating and an outside toilet. And so I have got to know the city in a very down-to-earth and everyday manner. Apart from which I also walk a great deal or use my bicycle.

CT : The current discussions about Berlin as a tourist destination, the failure to make decisions about housing construction and gentrification affect everyone who lives in the city. Berlin was an extremely poor city before the fall of the Wall, and is just beginning to recover. But now speculation has become the new reality in some districts. Property prices are rising. Is this the dawn of an age of plenty?
ME: I live in Kreuzberg at the moment and am experiencing at first hand how the Wrangelkiez district is changing. It is undergoing a transformation. And it is amazing to see how the familiar quality of life is changing too. The pace is increasing. The tourist coaches are starting to arrive. And suddenly you can get a caffè latte everywhere, served on the pavement. That is a sign of the transition from Kreuzberg to hip “Kreuzkölln”.

CT : What is your way of adopting a city?
ME: My own experience is very important for me, and so is coming into contact with as many people as possible from a wide variety of backgrounds. That should form the basis of any artist’s work. At the beginning, for me as a foreigner every city is terra incognita, be it Istanbul, Tokyo or New York. Through my contact with its citizens I immerse myself in the unknown environment. At the age of 19, immediately after leaving school, I did piece work in a shirt factory. That meant: I was on low pay and I was also the only German in the team. Later I also worked in a chip shop in Neukölln, as a waitress at “Marché” on the Kurfürstendamm for four years; and then I sold steam cleaners over the telephone. You learn how to cope with stress and you learn a lot about people. After that I even sold newspaper subscriptions. That helped me as an artist as well. ÇToday I know how to win people over for my ideas. That is the way you can get to know a city, through work and through the social space. Berlin gives me energy – maybe perhaps especially when it is undergoing radical change.

CT : You often do your drawing on the street and there are lots of things which you simply collect in passing – small items that people have thrown away, even pieces of furniture.

ME: For me, these found objects represent the essence of urban life. I am fascinated by things I find lying at my feet. Micro-refuse doesn’t look very interesting, but it tells us a lot about the things with which we surround ourselves and how we live together. I collect these screws, lids, beads, buttons, pieces of LEGO and figures in order to give them a new lease of life in my installations.They can be made of ceramic, metal, plastic, glass or wood. This is the infill of our urban existence between asphalt, concrete and areas of grass. Everything that I find and that I integrate into my works contributes its often bizarre shape to the work and at the same time the memory of what these things once were and what their function was in its original context. And I also rummage through flea markets and scrapyards. I find it has something to do with presence of mind and thinking about time. It is a matter of taking a break, standing to one side and looking a second or a third time at things and maybe even letting them live on. This hesitation is a sign of my respect for the past
and I am happy when I rediscover one of these scraps of my observation.

 

Erkundungsgänge im Verdichteten  von Christoph Tannert

Marion Eichmanns Werk ist ein Panorama der beschleunigten und vernetzten Dingwelt. Am Beispiel einiger großer Millionenstädte orientiert hat die 1974 in Essen geborene Künstlerin ihr eigenes Pluriversum geschaffen, in dem sie sich zwischen verschiedenen Wahrnehmungs- und Realitätsebenen hin- und herbewegt.

Bereits ihre 2002 vorgestellte Diplomarbeit „16.324.800 Maschen" war ein Paukenschlag. Ihr fulminanter Abschluss als Diplom-Designerin an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee bescherte ihr internationale Aufmerksamkeit. Der Schlüssel für das Verständnis aller weiteren Projekte der Künstlerin ist hier zu verorten. Er liegt in der Obsession, mit der Marion Eichmann z.B. einen kompletten Raum mit Wolle in ein ausufernd schwarz-beiges Wellen-Muster einstrickt, angefangen bei den Wänden, ohne haltzumachen vor Tisch, Sessel und Models. Dinge, ja ganze Räume zu verfremden, ohne sie zu verletzen und die Garnfarben farbpalettenspezifisch zu sehen, darin fand sie ihre Herausforderung. In der Rauminstallation „Ping Pong" (2003) verstärkte sich der Grad der Komplexität und spielerischen Verrücktheit. Offensiv kam noch mehr Farbe ins Spiel, die Maschen überwucherten erst leichtherzig ein Fahrrad, dann einen Mini Cooper.

Es ist diese Art des Mitreißens, das Stromartige, das Polyphone, die sich miteinander verwebenden Stimmen, das Uferlose eines Mitteilungsbedürfnisses am Rande des Nervenzusammenbruchs, das ihre Kunst kennzeichnet. Im Ausgerichtetsein auf die Gegenwart wächst eine eigene Ästhetik, eine andere Kenntlichkeit, in der das Alltagsgegenständliche in Fläche und Raum übersetzt wird und sich neue zeichnerische, malerische, objekthafte und installative Kraftzentren ausbreiten.
Aufgrund ihrer Lust auf Stadt und den daraus resultierenden Arbeitsaufenthalten in Tokyo (2004), New York (2005) und Istanbul (2009) taucht Marion Eichmann ein in die Gegenwart des Städtewachstums und entwirft dazu parallelspurig ihre bildkünstlerischen Szenarien.

Unter der Projektbezeichnung „Tokio Mono" (2004) firmieren Dutzende Zeichnungen und in ihrer Bindung an den japanischen Hintergrund aufschlussreiche Collagen sowie eine Ansammlung von fünfzig Objekten. Für diese Objekte dienten landestypische Badehocker als Kernmaterial, umhüllt von sagenhaftem Detailreichtum und experimenteller Leichtigkeit, sodass nach Fertigstellung eine Batterie von fünfzig Kleinstereignissen zu besichtigen war, zum Teil mit Licht und Klang animiert, die Kunde ablegte von der Begeisterung und dem Zartsinn der Künstlerin gegenüber der japanischen Kultur und Geschichte.

Die biedere Kunstgebärde tötet einem zunehmend den Sehsinn. Große Kunst kann es in Zeiten der Dominanz der Retrogarde nicht mehr geben. In dieser Trostlosigkeit wartet Marion Eichmann mit einer Universalherrschaft des Papierschnipsels und einem Energiepotential ganz eigener Art auf. Das stimmt einen heiter.

Was sie nach ihren Erkundungsgängen im Großstadtdschungel an Erkenntnissen ans Tageslicht befördert, ist so verdichtet wie die Strukturen, von denen Sie uns Bilder zur Anschauung übermittelt. Um sich ihnen zu nähern, hat sie sich verschiedene Methoden ausgedacht: Da ist die Eintauch-Methode, eine heftige, expressive Einstiegstufe, um sich dem jeweiligen Geist des Ortes anzuverwandeln – emotional, mit Haut und Haar. Die andere Methode weckt eher die Beobachterin in ihr, die mit unbestechlichem Blick Detail für Detail abtastet, um Werke zu erzeugen, die wie präzise Zustandsprotokolle aussehen.

Beides gehört zusammen in ihrem Werk – das Heftige und das Kühle, Emotionales und Rationales. Aber beiden Methoden ist ein Hang zum Überbordenden eigen, der sich bereits ganz am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn bemerkbar machte.

Marion Eichmann verwandelt sich die Welt an, indem sie einfach in die Gegend schaut im Dienste der Phantasie. Ein Gestaltungsimpuls, der ihrer Lebensauffassung entspringt. Indem sie zeichnet, macht sie sich ihr Anwesendsein und die vorwiegend visuell erfassten Inhalte bewusst. Um überhaupt mit dem Zeichnen beginnen zu können, sucht Marion Eichmann das direkte Erlebnis vor Ort – sie sieht, tastet, hört, riecht und schmeckt in das Weltgetümmel hinein. Egal, was sie darstellt, alles folgt aus direkter Anschauung und intensivem Erleben. Dabei wird nichts erfunden. Das Sichtbare rangiert vor der Imagination. Wahrheit verbirgt sich in diesem Fall in der Fülle, in einer die Fläche zur Bezeichnung nutzenden Massierung von Linien. Ohne Vorurteile bewegt Eichmann sich in einem Anschauungsraum, der erst mit der Zeit zum Denkraum wird. Auch wenn aus einem nachträglich etablierten Debattenraum konsumkritische Ansätze in die Bewertung ihrer Bilder gelangen, ist Eichmanns individueller Ansatz nicht vorgefasst und schon gar nicht eindimensional politisiert. Sie stellt klar: „Ich habe etwas gegen falsche Alternativen." (1) Während der Arbeit am Zeichenblatt und in einem bestimmten Sozialraum geht es ihr lediglich „um die Anwendung und Überprüfung der eigenen Zeichenmethode" (2), wie sie betont, um die zeitaufwändige, jahrelang erprobte und trainierte Interaktion von Auge und Hand. Gerade diese suggestive Art der Darstellung ist es, die den Betrachter packt und zum Hinschauen, zum Wandern in den Details anregt.

„Zeichnen ist wie Entziffern" , sagt Marion Eichmann. Obwohl sie während des Zeichnens meint vieles zu erfahren, was ihr bisher nicht bewusst war, hüten die städtischen Wirklichkeiten doch ihr Geheimnis und fordert in ihrer Rätselhaftigkeit die Künstlerin um so mehr heraus. Die ruhige Strichführung kontrastiert den ruhelosen, ja hysterienahen Ton der Mega-Cities.

Freiluftspektakeltauglich hat sich Marion Eichmann an der Kreuzung Broadway und Seventh Avenue in den 11. Stock eines New Yorker Hochhauses begeben, um für die Collage / Zeichnung „Times Square" mal einen Vogelblick zu haben. Dem Himmel nah, schaute sie wie gebannt auf die Lebenswirklichkeit zwischen den Häuserschluchten. Auf dieser Ebene, umzingelt von Backstein und Plastikmüll konnte sie auf die Verwahrlosung auf den Dächern schauen und auf das Gewusel auf der Straße, wo der Umsatz in den Shopping-Meilen boomt. Laut liegt neben leise, „Farbe neben Farbe - unzählige Muster und Formen, die sich bilden, Netze von Linien, Verführungen ins Davor und Dahinter, die sich unmittelbar erschließen während des Hinsehens." (4) Es zeugt von der künstlerischen Integrität der Künstlerin, dass Eichmann keine kulissenmalerische Show hinklotzt, sondern eine radikal ihrem Stil einverleibte Interpretation anbietet. Ein Motivationsposter wirbt für Alternativen bei Stressgefühlen. Die Antwort liegt außerhalb der bedrückenden Realität. Dieserart wird die Widersprüchlichkeit des hektischen, schnelllebigen New York charakterisiert. Jene Situation hat die Künstlerin dermaßen beeindruckt, dass sie Jahre später eine zweite Version im Großformat von 168 x 137 cm angefertigt hat. Dargestellt ist der Moment des Eintauchens in eine fremde Welt. Oft werden Marion Eichmanns Zeichnungen nach der Eindruckserinnerung noch ein weiteres Mal fortgesetzt und es bahnen sich aus den abgebildeten Motiven Vorlagen für den Bau von Objekten aus verschiedenen Materialien an, häufig ganz aus Papier gebaut.Manchmal bis zu zehn Stunden hat sie in New York auf der Straße gesessen und gezeichnet.


Wie ein Möbius-Band von Elementarteilchen, gespickt mit den Ornamenten des Begehrens, drängt die städtische Staffage der Gegenwartsgesellschaft in den Vordergrund. Die Künstlerin ist nicht zimperlich, ihre Botanisiertrommel mit zufällig Aufgesammelten, Figuren und Begebenheiten ordentlich vollzustopfen. Selbst wenn nur die Hälfte der festgehaltenen Gegenstände sich tatsächlich im Stadtbild feststellen lassen würde, hätte Eichmann ein ausgeklügelten urbanes Panoptikum installiert. Fotografische Motive über das unaufhaltsame Wachstum großer Städte türmen sich. Aber in der Kunst der mittleren Generation in Deutschland hat selten mal jemand so komprimiert und zugleich unverkrampft wie Marion Eichmann die Verstädterung der Welt mittels Zeichengerät, Cutter und Klebstoff auf den Punkt gebracht.

Ihre ersten Stadteinblicke fixiert Marion Eichmann fast immer mit Bleistift. Der Kunsthistoriker Stefan Geiger spricht von „Real-Struktur-Skizzen". Anschließend werden die Linien mit dem Fineliner hervorgehoben und endgültig festgelegt. Jeder Strich muss sitzen und will auch gegen die späteren Farbakzentuierungen gedacht werden. Schraffuren gibt es keine.

Farbe wird in Marion Eichmanns Werken nicht mit dem Pinsel aufgetragen. Sie erhält Präsenz durch hochwertiges Canson-Fine-Art-Papier, welches ausgeschnitten und innerhalb des jeweiligen Strichsegments aufgeklebt wird, oft in mehreren Lagen, was die Farbe moduliert und ein Relief entstehen lässt. Und zwar derart, dass der zeichnerische Schwung ungebremst fließen kann. Aus diesem Grund können die Bilder zwar nicht auf Tiefe angelegt sein, leben aber stattdessen aus Betonungen, die durch Detailkolorierung erzeugt werden.

Mittels der Farbe Weiß (die z.T. in zehn Schichten aufgetragen wird) neutralisiert die Künstlerin ihre „Eichmann-Welt". Vom Grauschleier befreit erscheinen die Konstellationen nicht weniger kompliziert, aber aufgeräumter.
Von den Zeichnungen ausgehend entwickeln sich in zukünftigen Stadien Objektkästen und Raum füllende Installationen. An Materialien kommen zum Einsatz: Papier, Pappe, aber auch Fundstücke. Man könnte sagen, Marion Eichmann verräumlicht ihre Linien indem sie das Bildgeschehen von der Fläche in den Raum kippt. Der Wunsch der Künstlerin, die Dreidimensionalität tastbar zu steigern, ihr unübersehbar sinnliche Gestalt zu verleihen, erfüllt sich in der zusätzlichen Verwendung von KAPPA Leichtstoffplatten, die seit 2011 Anwendung finden.

Zweifellos korrelliert damit eine Vermehrung des Materialgehalts der Collagen, ihrer skulpturalen Dichte, die dafür sorgt, dass z.B. die Zeichnungen / Collagen der „Istanbul"- und „Bosporus"-Serie (2013) noch stärker Sprache und Weltneuentwurf an sich sind.

Wird in „Living room today" (2006-2008), „Buffet Dreaming" (2008-2009), „Shopping" (2007-2009), „Vitamintisch" (2012) vielleicht unter der Hand modernes Produkt-Placement betrieben oder gar revolutioniert? Werden bestehende Marken geschärft oder neue Marken erfunden? Nein, die Künstlerin hält tagebuchartig fest, was sie sieht und empfindet: das Vergnügen, sich der täglichen Verführung auszusetzen. Zuweilen gibt es auch mal eine giftige Lebensmittelkreation in einem großen Kühlschrank („Fridge", 2009-2010), die die Künstlerin in ihre anscheinend grenzenlos erweiterbaren Produktpaletten geschmuggelt hat. Aber man muss schon genau hinsehen. Wolkenlosigkeit überwiegt.Eine Zigarettenschachtel trägt den jubilierenden Schriftzug: Was für ein schöner Tag.
Christoph Tannert

 

Exploratory Journeys in Concentration      Christopf Tannert

Marion Eichmann’s oeuvre is a panorama of the accelerated and interlinked world of objects. The artist, who was born in Essen in 1974, has used various metropolises as references when creating her own pluriverse, in which she moves back and forth between different levels of awareness and reality.
Even 16.324.800 Maschen, Eichmann’s diploma project which she presented in 2002, was a bombshell. Her brilliant conclusion of her studies for a diploma in design at the Kunsthochschule in Berlin-Weißensee brought her to the attention of the international art scene. It is here that the key to understanding all the artist’s subsequent projects can be found. It lies in the obsession with which, for example, Marion Eichmann uses wool to knit a complete room into a sprawling black and beige wavy pattern, starting with the walls and not stopping when she reaches the table, chair and models. For her the challenge lay in alienating things, even entire rooms, without damaging them and in seeing the colours of the wool as specific to the colour scheme. In the room installation Ping Pong (2003) the degree of complexity and playful eccentricity were increased still further. Moving into the offensive, she brought even more colours into play, and the knitted stitches light-heartedly enveloped first of all a bicycle and then a Mini Cooper.

Eichmann’s art is characterised by this way of carrying the viewer along: a torrent like a polyphonic structure of interwoven voices, a boundless need to communicate on the verge of a nervous breakdown. Her way of focusing on the present creates a specific aesthetic, another form of recognition, in which familiar everyday objects are translated into surface and space and spread out to reveal new graphic and painterly object- and installation-based centres of power.

Marion Eichmann loves cities and has accordingly spent periods working in Tokyo (2004), New York (2005) and Istanbul (2009). She immerses herself in the here and now of city growth and correspondingly creates at the same time her own artistic visual scenarios. She has produced dozens of drawings under the heading Tokio Mono (2004) as well as collages which are illuminating in their association with the Japanese background and a collection of fifty objects. Typical Japanese bathing stools provided the starting material for the objects; encased in a fabulous wealth of detail and experimental lightness, a battery of fifty miniature events could be viewed after completion. Some were animated with light and sound and proclaimed the artist’s enthusiasm and sensitive understanding of Japanese culture and history.

Petit-bourgeois artistic gestures increasingly destroy our ability to see. In times when the retro faction is dominant there can be no great art. In this desolate environment Marion Eichmann is waiting with a universal dominance of scraps of paper and a unique energy potential. That evokes a cheerful mood.
The knowledge that she unearths after her exploratory tours of the big-city jungle is as concentrated as the structures whose pictures she presents to us for examination. She has thought up a number of methods of approaching them: There is the immersion method, an energetic, expressive introductory level in order to adapt to the spirit of the place concerned – emotionally, and with all one’s being. The other method tends to arouse the observer in her as she examines it with an unerring eye, detail by detail, in order to create works which look like meticulous records of the status quo. Both aspects form part of her work: the intense and the cool, the emotional and the rational. But both methods contain the inherent tendency to exuberance which was obvious right at the beginning of her career. Marion Eichmann transforms the world simply by looking around her and using her imagination. It is a creative impulse born of her outlook on life. By drawing, she becomes aware of her own presence and the content she has mainly recorded visually. In order to be able to start drawing, Marion Eichmann seeks a direct experience locally – she sees, touches, listens, smells and tastes the turmoil of the world. Whatever she depicts, it is always derived from direct observation and intensive experience. She invents nothing. The visible always takes priority over the imagination. Truth is concealed in this case within the abundance, in an assembly of lines which use the surface to describe. With no preconceived ideas Eichmann moves within a space of observation which only becomes a place for thinking after a period of time. Even when approaches to the assessment of her pictures which are critical to consumption surface from a subsequently established area of debate, Eichmann’s individual approach is not preconceived and most definitely not politicised in a one-dimensional way. She observes: “I have an objection to false alternatives.” During her work on paper and in a certain social space she is only concerned with “the application and examination of her own drawing method”, as she points out, with the time-consuming interaction between eye and hand, practised and trained for years. It is this suggestive form of representation in particular that fascinates the viewer and encourages him or her to look carefully and to penetrate the details.

“Drawing is like deciphering”, observes Marion Eichmann. Although she thinks that during the drawing process she discovers many things of which she was not previously aware, urban reality keeps its secrets to itself, so that its mysteriousness presents even more of a challenge for the artist. The calm pencil strokes contrast with the restless, almost hysterical tone of the mega-cities.

As if for an open-air spectacle, Marion Eichmann went up to the eleventh floor of a New York high-rise at the intersection of Broadway and Seventh Avenue in order to have a bird’s eye view for her collage/drawing Times Square. From her eyrie she gazed in fascination down at the everyday reality between the urban canyons. At this height, surrounded by bricks and plastic debris, she could look out at the dilapidation of the roofs and the bustle in the streets, where the dollars were rolling in along the shopping boulevards. Noise and quiet are juxtaposed, “Colour beside colour – countless patterns and forms which are created, networks of lines, temptations from in front and behind, which are revealed in the very moment you look at them.” It is a sign of Eichmann’s artistic integrity that she does not simply throw together a picture-postcard spectacle but offers a radical interpretation which she has assimilated into her own personal style. A motivation poster advertises alternatives for dealing with stress. The answer lies beyond the confines of reality. In this way she characterises the contradictions of hectic, fast-paced New York. The artist was so impressed by the situation that, years later, she produced a second, largeformat version measuring 168 × 137 centimetres. It depicts the moment of immersion in an alien world. Marion Eichmann’s drawings are often continued again based on the memories of the impression, and the subjects thus depicted develop into models for the construction of objects made of various materials, often entirely of paper.

Sometimes she has sat drawing on the streets of New York for up to ten hours.

Like a Moebius strip of elementary particles, dotted with the trappings of desire, the urban backdrop of modern society elbows its way into the foreground. The artist is not squeamish about stuffing her botanising drum with items she has collected by chance, figures and events. Even if only half of the objects she has recorded could actually be identified in the cityscape, Eichmann would have installed a sophisticated urban collection of curios. Photographic subjects showing the inexorable growth of big cities are piling up. But in the art of the middle generation in Germany few have summarised the urbanisation of the world with the help of plotter, cutter and glue as concisely and yet uninhibitedly as Marion Eichmann.

Marion Eichmann almost always records her first impressions of a city using a pencil. The art historian Stefan Geiger speaks of “real structure sketches”. Then the lines are emphasised and finally determined using a fine-line pen. Each stroke must sit and must be considered in relation to the later colour accents. There is no hatching.

In Marion Eichmann’s works, colour is not applied with a paintbrush. Its presence is determined by high-quality Canson Fine Art paper, which is cut out and glued within the line segments, often in several layers, thereby modulating the colour and creating a relief in such a way that the sweep of the pencil line can continue to flow unhindered. This is the reason why the pictures cannot be constructed with depth, but live instead from the emphasis brought about by the colouring of the details. The artist uses the colour white (which is applied in some cases in ten layers) to neutralise her “Eichmann world”. Freed of grey fog, the constellations appear no less complicated, but more ordered.

Starting from the drawings, in future stages Marion Eichmann will develop display cases and installations that fill an entire room. The materials she uses are paper, cardboard and found objects. We could say that Marion Eichmann gives her lines a spatial dimension by tipping the image narrative from the surface into space. The artist’s desire to heighten the three-dimensionality in a tangible way, and to invest it with a clearly visible sensuous form, is fulfilled in the way that she has also used lightweight KAPPA boards since 2011. Doubtless this correlates with an increase in the material content of the collages, their sculptural density, which ensures that, for example, the drawings/collages of the Istanbul and Bosporus series (2013) represent even more strongly both language and re-draft of the world as such.

Do Living room today (2006–08), Buffet Dreaming (2008–09), Shopping (2007–09) and Vitamintisch (2012) perhaps present modern product placement on the side or even revolutionise it? Are existing brands being polished here, or new brands invented? No; the artist records as if in a diary what she sees and feels: her pleasure in exposing herself every day to temptation.

From time to time there is also a toxic food creation in a huge refrigerator (Fridge, 2009–10), which the artist has smuggled into her range of products that can apparently be extended ad infinitum. But we must look at it carefully. Cloudlessness prevails. A cigarette packet bears the jubilant motto: What a lovely day.