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Rede von Chriistoph Tannert zur Ausstellungseröffnung „Dietmar Brixy: Surprise & Tomorrow“, Galerie Tammen & Partner, 09.06.2017

Seine Mittel sind traditionell. Aber die Art, wie er es brodeln lässt, ist für die Gegenwart überraschend. Wer traut sich das heute noch? Dietmar Brixy wirft sich ganz in Farbe, setzt auf ein materiales Naturereignis, rührt mit dem Pinsel. Seine Bilder scheinen zu kochen. Dementsprechend aufgeworfen ist das Relief.

Im Alten Abwasserpumpwerk von Mannheim-Neckarau hat sich Dietmar Brixy seinen künstlerischen Privatkosmos geschaffen mit der eigenen Person als Zentralgestirn. Kunst und Leben fließen an diesem Ort zusammen.

Zwischen seinen Bildern und seinem Hausgarten verlaufen unsichtbare Fäden eines dialogischen Wechselspiels. Was seine Gartenwelt an ästhetischem Mehrwert abstrahlt, animiert ihn, zusätzliche magische Akzente in seinen Bildern zu setzen. Inspiration und Projektion kulminieren in Bildern, die das Gartenerlebnis und das Erleben der Natur des Bildstofflichen miteinander vermischen und den daraus entstehenden Wohlfühlakzent in typisch Brixyscher Psychedelik auf der Leinwand wiederspiegeln.

Die zuweilen in den Bildern auftretenden Blatt-Abdrucke sind ein deutliches Natur-Zeichen dafür.

So ein „Big Bang Bamboo Bubble“ ist dann auch genau die notwendige Streicheleinheit, die gebraucht wird, um ein Bild wie die Kreisbewegung einer gegärtnerten Seelenmassage aussehen zu lassen.

Wenn die Beobachtung nicht täuscht, dann ist die hiesige Ausstellung alles andere als eine Enthaltsamkeitsübung. Uns erwartet ein Augenschmaus, den selbst ein mit ästhetischen Genüssen verwöhnter und bereits reichlich kunstgefütterter Berliner nur als "stattlich" bezeichnen kann. Das ist Vollfettstufe.

Diese Ausstellung lockt weniger mit dem himmlischen Paradies als vielmehr mit dem Glück hienieden und macht so gute Laune, dass sie zurecht als Enzym für die bessere Bewältigung des Diesseits gepriesen werden darf.

In dem Maße, in dem Dietmar Brixy im Prozess künstlerischer Arbeit irdischen Ballast abgeworfen hat, d.h. indem er vom Abbild abstrahierte, gewann er an artistischer Seilspannung.

Sein Umarbeiten der gesehenen Wirklichkeit zu Erlebnis- und Innenbildern hat Erfahrungen wachsen lassen, deren Zeugnisse die Werke sind, die wir hier in der Ausstellung vor uns sehen.

Wir kommen also zu der Einsicht, dass die physische Welt, die wir begreifen, nicht alles sein kann und freuen uns an den Blutdruck steigernden Universen, die uns die Höhen der Abstraktion eröffnen.

Dietmar Brixy wurde 1961 in Mannheim geboren und studierte in Karlsruhe u.a. bei Harald Klingelhöller und Katharina Fritsch.

Dass er aus der Bildhauerei kommt, sieht man auf den ersten Blick. Er verschiebt Volumina über die Leinwand. Sein Malen ist ein Kraftakt. Dieser Leinwandbezwinger arbeitet mit dem Pinsel, mit dem Spachtel, mit der Hand. Er wischt und gräbt Linienverläufe, lässt Lava gurgeln und Duftwasser. Das ist nicht Entertainment, sondern Existentialismus.

Brixy rührt und reliefiert und exemplifiziert, wie sich eine klassische malerische Basis mit traditionellen Elementen in unterschiedlicher Form modernisieren lässt.

Hier fährt einer in seinem Zauberberg groß auf, sogar im kleinen Format.

Für jedes Bild hat der Vollblutmaler ein Rezept, in dem eine Reihe von aromatischen Details verborgen sind, die dem Ganzen einen Hauch von Kreativität und Aktualität verleihen.

Mal ist es das Prozesshafte, das im Vordergrund steht, mal das haptische Moment der Oberfläche, mal dreht sich ein Ansatz um das Denkbare, dass das Bild davon befreit, nur Objekt oder Ware zu sein.

Brixy bietet uns ständig neue Ansätze an, damit wir auf lebendige Weise mit seinen Bildern kommunizieren können.

Aktuell sind es die Zyklen „Surprise“ von 2015/16 und „Tomorrow“ von 2016/17, die sich vor uns in einer Vielzahl an Aspekten und Lesarten ausbreiten.

„Suprise“, substantivisch gebraucht, heißt: Überraschung.

Zu unserem Erstaunen zieht uns der Künstler hinein in eine Abenteuertour zwischen die Pole Natur und Malerei - und nicht zuletzt in die Natur der Malerei.

Brixy, der in seines Herzens Grund und zurück und außerdem nach Malaysia, Mexiko und Bali gereist ist, gibt der weit verbreiteten Sehnsucht nach dem Garten Eden neue Nahrung.

Er lässt uns andererseits die Geheimnisse seiner Malerei spüren, die geradezu dschungelhaft verknäulte Wunschflächen hervorbringt.

Brixys jüngster Zyklus „Tomorrow“ setzt auf die bekannte farbkonvulsivische Manier, mischt aber seine Harmoniebedürftigkeit mit dissonanten Regionen.

Unter diesen Bedingungen startet ein Bild mit einer Kakophonie ineinander kurvender Soundbögen.

Unter dem Teppich breiter Riffs brechen immer wieder Öffnungen auf, die das Darunter oder ein Dahinter oder tatsächlich eine Zukunftserwartung erahnen lassen.

Ich will mich nicht festlegen, ob dieses „Tomorrowland“ ein anziehender oder weniger anziehender Flecken Erde ist.

Fraglos sind die Bilder einem hedonistischen Flow verhaftet, den Brixy mit seinem Soul zum Ereignis macht. 

 

 

Farbe, Licht, Raum

Essay von Joachim Goslar, Katalog „Brixy – Surprise“, 2016,  (Hrsg. Waldkirch Verlag, Mannheim)


(...) Träger des Lichtes sind die Bilder Dietmar Brixys, untrennbar an das Medium Farbe gebunden. Brixys Weg zum Licht durch Farbe wird dabei definiert durch das pastos und virtuos eingesetzte Medium Ölfarbe, fein vertrieben in irisierenden Farbmodulationen, streifig gebaut in Spachtelstrichen, heftig gesetzt in gestischen Formen und Pinselspuren. Provozierte Assoziationen zu Naturphänomenen spielen mit warmfarbigen Unendlichkeiten, organisch Wirkendes kontrastiert mit kristallinen Malflächen. Wie lichte Hoffnungen als Ausweg aus einem dichten, mystisch anmutenden Dschungel belebter Baumwesen erscheinen flächig anmutende Lichtschimmer, die den magischen Wunsch eines „dorthin“ formulieren, ohne jegliche Kenntnis von diesem möglichen Ort der Sehnsucht.

Die besondere Wirkung dieser lichtsatten Farbsuggestionen wird durch die Form der Präsentation sensibel beeinflusst. Fensterlos und gleichmäßig beleuchtet zeigt sich der Ausstellungsraum im Kunstverein Coburg und bietet eine neutrale Hülle für die Werke. Keine Wandöffnung stört die Wirkung der Bilder. Kein Blick auf realen Außenraum, auf profane Welt zerbricht die konzentrierte Zwiesprache mit den Werken. Die Tore nach außen sind ausschließlich durch die Bilder erreichbar. Ein diaphan durch Oberlichter scheinendes Tageslicht unterstützt die Wirkung der Farben- und FarbeLichtRaum. (...)

 

 

Brixy auf Entdeckungstour

Essay von Christoph Tannert, Katalog „Dicover Brixy“ 2014, (Edition BRAUS, Hrs. J. Krieger)

(...) Dass Brixy Bildhauerei studiert hat, sieht man sofort. Er verschiebt Volumina über die Leinwand. Sein Malen ist ein Kraftakt. Dieser Leinwandbezwinger arbeitet mit dem Pinsel, mit dem Spachtel, mit der Hand. Er greift die Farbe direkt aus dem Eimer, aus der Tube, mischt sie mit der Hand, wischt und gräbt Linienverläufe, lässt Lava gurgeln und Kühlwasser. Das ist nicht Entertainment, sondern Existentialismus. Brixy rührt und reliefiert und beweist uns, wie sich eine klassische malerische Basis mit traditionellen Elementen in unterschiedlicher Form modernisieren lässt. (...)

Brixy schlemmt heftig Farbe ins Keilrahmengeviert. Er kehrt sein Innerstes nach außen. Wülste und insulare Gebilde lassen den Blick beim Abtasten der Leinwand stolpern. Die Dinge überschlagen sich. Spontan wird Brixy handgreifl ich, er schliert, er umkreist knetend und prüfend das Malstoffspursliche und treibt mit der Malerpranke die Bildwerdung voran. Das Bild kennt dann nur noch ein Ziel: seine materielle Diversität zur Anschauung zu bringen. Umschweifiges Weltanschauen lässt die Farbe strudeln. Die entstehenden bildnerischen Existenzzonen entziehen sich der Konformität. Ob die Farbe Grenzfluss zwischen Faktizitäten oder feuchter illustrativer Nebel ist, wird von unserer Imagination entschieden. (...)

Christoph Tannert, Direktor Künstlerhaus Bethanien (Berlin)

 

Den vollständigen Text und weitere Texte finden Sie auf der Homepage www.brixy.de.