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Meine künstlerische Motivation stammt von intensiven Naturwahrnehmungen aus der Kindheit und frühen Jugend. Natur sind wir selbst und wir sind von ihr umgeben. Ich beobachte ihre Eigenschaften, Eigenschaften einer sich künstlerisch äußernden Natur, die mich malerisch fasziniert. Das Zusammenspiel und die Unvereinbarkeit unserer natürlichen Natur und der vom Menschen geschaffenen künstlichen Natur ist ein evolutionärer Prozess unterschiedlicher Stofflichkeiten, geprägt von Gemeinsamkeiten und Gegensätzen.
Vegetative Formen, Farbkörper oder idealisierte Landschaften entstehen in meinen Bildern sinnbildhaft, narrativ und topografisch. Unter variablen physikalischen Bedingungen wiederholen oder verändern sie ihre Formationen und wechseln ihre Position im Raum, auf der Leinwand. Mit der aktuellen Werkgruppe IMPLANT versuche ich anhand unterschiedlicher Bildvarianten eine Parallelwelt immer deutlicher darzustellen.

Natur ist nicht länger das, für was wir sie bisher hielten, denn nicht nur durch unsere optisch technischen Fähigkeiten können wir heute bisher unerkannte Einsichten in Aufbau und Struktur der so vielfältig ausgebildeten Materie haben und uns selbst und unsere umgebene Natur, Tier und Pflanze grundlegend neu verstehen lernen. Umgeben von natürlicher Natur mischt der Mensch seit Jahrtausenden seine künstlichen Artefakte in diesen gigantischen Organismus, den wir Erde nennen.
Ich stelle die Frage, was ist natürliche Natur und wann können wir von einem künstlichen Artefakt sprechen. Wie unterschiedlich ist ihre Materialität und wie kann ich mit einer abstrakten Bildsprache Gegensätze, Parallelität, Ähnlichkeit, Nachahmung oder Verwandlung unterschiedlicher Materie innerhalb eines Themas in einer narrativen Malerei bildhaft machen. Die natürliche Natur tritt in meinen Arbeiten in Form einer idealisierten Landschaft sowie als plastische Form auf. Form und Landschaft folgen hierbei in der Regel nicht unseren physikalischen Gesetzmäßigkeiten, sie bewegen sich frei im Raum, ändern ihre Gestalt in einem sich wiederum auch wandelnden Raum, sozusagen einem schwerelosen Garten der unabhängig von Gravitation funktioniert und sich vertikal, diagonal oder auch horizontal 180° kopfüber ausdehnen kann. Herausgelöst aus ihrem ursprünglich natürlichen Kontext, verwandelt und verpflanzt, fragmentarischen Formen aus Aluminiumfarbe, Netze aus Schrift gleichen Materials oder ganzen Hintergründen aus Aluminium, gegenüber gestellt, drängt sich das eine dazwischen oder stellt sich davor. Unterschiedliche Assoziationen von Natur und Künstlichkeit versuche ich zuerst bei mir und damit auch beim Betrachter auszulösen.

Im Duktus meiner Malerei, in der die Farbe eine große Rolle spielt, meint man oftmals etwas Fotografisches zu erkennen, hierbei geht es mir um eine Provokation der Fotografie.

Harald Gnade Berlin, Februar 2014